Sewsimple: Tunika Tomris

Das Schnittmuster Tunika Tomris ist auch eins zum Selbstausdrucken, aber diesmal gehen die Teile ineinander über. Das spart zwar einerseits Papier, macht aber andererseits das Kleben/Schnippeln umständlicher.

In der Beschreibung des Schnittmusters auf der Homepage von Sewsimple steht der Stoffbedarf je Größe, danach habe ich eingekauft.
Aber erst nach dem Kauf des Schnittmusters und dem download habe ich entdeckt, dass der Stoffbedarf für die Variante mit 3/4 Ärmeln angegeben ist. Ok – mein Fehler, es steht auch auf der homepage. Gottseidank will ich genau diese Variante nähen.

Nur – der Stoffbedarf für kurze oder lange Ärmel fehlt komplett in der Anleitung und der homepage. Gefällt mir gar nicht, sowas finde ich schlecht konzipiert. Ich hoffe, dass die Anleitung und das Schnittmuster selber ok sind.


In der Anleitung steht, dass überall 1cm Nahtzugabe enthalten sind. Hm. Ich weiß ja schon, dass meine Overlock 0,75 cm frisst. Also werde ich beim Einführen in die Overlock immer ein bißchen mehr abschneiden lassen. Kein Problem!
Ich muss mal sehen, wie es bei den Säumen ist – sie näht überall einen extra Beleg, daher die Nahtzugabe. Ich bin ja bisher von 2cm Saumzugabe ausgegangen. Kriege ich noch raus.

Oh – der nächste Punkt, der mir nicht gefällt: es ist kein Plan für den Stoffzuschnitt enthalten. Wo muss ich welches Teil hinlegen, damit der Stoff reicht? Ich hab mich an Pattydoo gehalten, sie hat für das T-Shirt Liv einen Zuschneideplan mitgeliefert.

Langsam wird mir mulmig, was dieses Schnittmuster betrifft…
 

Diesmal ist Größe 38 die richtige für meine Maße.
Als erstes werden lt. Anleitung die Brustabnäher genäht. Vor 30 Jahren, als ich schon mal Kleidung genäht habe (naja, versucht…), stand bei burda immer dabei ‚den Abnäher nach unten bügeln‘. Der Hinweis steht hier nicht, ich hab’s trotzdem gemacht.
Bei den Schulternähten halte ich mich lieber an Pattydoo und nähe den extra Streifen Stoff für die Stabilität der Naht ein.

Dann kam aber das nächste Problem mit diesem Schnittmuster: Es sind überall auf Vorder-, Rückteil und Ärmel Passzeichen drauf. Wunderbar.
Nur: beim Vorderteil stimmen sie nicht.
Richtig sind sie auf der Rückseite: der Ärmel (Foto links) hat auf der ‚Rückenhälfte‘ zwei Passzeichen nebeneinander, auf dem Rückenteil (Foto rechts) sind auch zwei Passzeichen –

Passen also genau zusammen:

Hier das Vorderteil und der Ärmel mit der 'Vorderhälfte'  dazu:

Nochmal beide Teile nebeneinander:

Hier sieht man es genau: das Vorderteil hat nur ein Passzeichen, der Ärmel zwei Passzeichen (weit auseinander).
(Ich vermute, beim Ärmel diese Dreiecks-Markierung (auf dem Bild oben rechts sichtbar) soll die Schulternaht bedeuten, es steht leider nichts dazu in der Anleitung. Bin halt noch keine erfahrene Näherin, die sowas weiß. Die Dreiecks-Markierung hat aber nichts mit dem eigentlichen Problem zu tun.)

Beim Zusammenstecken habe ich versucht, das einzelne Passzeichen auf dem Vorderteil mit einem der beiden Passzeichen auf dem Ärmel in Einklang zu bringen – zwecklos. Ich hab‘ also die Ärmelpasszeichen ignoriert.

Aber mal ehrlich – das ist doch Murks im Schnittmuster!

Die Seitennähte schließen ist jetzt schon Routine.

Für den Halsausschnitt und den Saum unten schlägt das Schnittmuster jeweils einen breiten Besatz vor. Ich vermute, das ist mehr so für die Stoffvariante mit festem Stoff gedacht. Bei diesem weichen fließenden Viskosejersey (der auch noch ziemlich schwer ist) möchte ich nicht noch Gewicht dazupacken. Daher ändere ich das:
Für den Beleg am Halsausschnitt halte ich mich an eine Mischung aus Pattydoo und Maria Denmark: 3cm Breite (Pattydoo), aber mit der Methode von Maria Denmarks Schnittmuster.

Mit dem Saum warte ich noch.

Ärmel mit Zwillingsnaht versäubern, easy. (Ha!)

Jetzt kommt die erste Anprobe.
Oh. Die Tunika ist endlos weit und endlos lang. Hm.
Naja, heißt ja auch Tunika und nicht T-Shirt. Hm.
Größe 38 ist auf jeden Fall mindestens eine Größe zu groß. Sabine von Sewsimple schreibt auf ihrer homepage, dass die Tunika wunderbar dafür geeignet ist, Pölsterchen zu verstecken. Ich hab aber keine Pölsterchen und dachte, dass in den kleineren Größen die Tunika enger sitzt. Falsch gedacht. Andererseits schreibt sie auch, dass man bei Jersey-Stoffen gerne auch eine Größe kleiner nähen kann.
Himmel, ist das kompliziert mit den Größen. Jeder Anbieter rechnet anders. Ich muss wohl immer erstmal ein Shirt zur Probe nähen, um rauszukriegen, wie weit es diesmal ist!

Die Frage ist jetzt aber die Länge. Lass ich die Länge in superlang oder kürze ich drastisch?
Ich vertage erstmal, ich hab heute keine Zeit mehr.

Ok, habe mich mit meinem Mann beraten: dieser Schnitt ist in Größe 38 zu weit für mich, so weit ist einfach nicht mein Stil. Ich bin zu unerfahren, um die Tunika schnittgerecht enger zu machen (es geht ja nicht einfach nur drum, die Seitennähte enger zu machen, sondern auch oben das Ärmelloch und so).

Ich mag aber den Stoff so sehr, was tun?

Ich hab nachgemessen: die Tunika ist so weit, dass ich aus dem Rücken mühelos eins der beiden Teile für Maria Denmarks Kimono Tee oder das Lillesol Shirt Woman No 4 ausschneiden kann. Und das zweite Teil kriege ich aus dem Stoffrest (die Angabe zum Stoffbedarf im Schnittmuster war sehr großzügig) auch noch hin. Bin nämlich nicht sicher, ob ich aus dem Vorderteil noch was ableiten kann, da sind halt diese Brustabnäher. Weiß ich erst nach dem Schneiden.

Bin erleichtert!

Ich hatte im Nachgang noch einen ziemlich unerfreulichen mailverkehr mit Sewsimple, bei dem meine Fragen zum fehlenden Zuschneideplan und den nicht passenden Ärmel-Passzeichen nicht beantwortet wurden. Wieder was gelernt – Schnittmuster nur von Profi-Schneiderinnen kaufen!